Bali - Gunung Batur und Lake Batur

Bali: von Bangli nach Lovina

Nach dem Frühstück geht es heute direkt in den nächsten Tempel. Den Pura Kehen erreichen wir nach einer langen Fahrt zunächst an der Küste entlang und dann durch den Dschungel. Der Pura Kehen ist der Reichstempel von Bangli und ist in einen kleinen Hang gebaut. Eine Treppe führt hinauf in das Innere des Tempels und sobald wir das Spaltentor passiert haben, eröffnet sich uns der Blick auf den überschaubaren Innenhof des Tempels. Unser Blick gleitet über moosbewachsene Mauern und Steingebäude und bleibt schließlich bei einem riesigen heiligen Baum hängen, den auf halber Höhe eine Plattform ziert.

Bali - Pura Kehen, Reichstempel von Bangli

Bali – Pura Kehen, Reichstempel von Bangli

Da es in diesem Tempel nicht allzu viel zu sehen gibt, gehe ich neben dem Gelände noch etwas spazieren und entdecke etwas ganz interessantes: eine Hahnenkampfarena. Auf meine Frage hin erläutert unser Führer Made, dass dieser „Volkssport“ an sich verboten ist, doch die hiesigen Polizisten sehen gegen ein entsprechendes Bestechungsgeld gerne darüber hinweg.

Bali - Hahnenkampfarena

Bali – Hahnenkampfarena

Für einen Hahnkampf werden an den Krallen der Tiere Sporen und kleine Messer befestigt. Ein Kampf dauert in Regel etwa 20 Minuten und endet, wenn eines der Tiere stirbt. Die männlichen Dorfbewohner wetten dabei auf den Ausgang des Kampfes. Ironische Randnotiz: vor jedem Kampf wird eine Opfergabe in Form einer oder mehrerer kleiner Opferschalen gegeben.

Anschließend setzen wir unsere Fahrt im Bus fort und kommen erneut an vielen Reisfelden vorüber. Made erklärt, dass alle drei Monate Erntezeit ist und dafür Arbeitskräfte von den Nachbarinseln auf Bali kommen, um während dieser Phase eine Anstellung zu finden und Geld zu verdienen. Anschließend kehren sie bis zur nächsten Erntezeit in ihre Heimat zurück. Die Bewässerung der Reisfelder erfolgt über ein öffentliches Kanalsystem, das von der Regierung angelegt und verwaltet wird. Das Wasser stammt aus einer Gebirgsquelle.

Bali - Reisfeld

Bali – Reisfeld

Bei der Fahrt durch den Dschungel passieren wir auch ein Ureinwohner-Dorf. In diesen wenigen erhaltenen Dörfern herrscht Inzucht vor, da die Tradition es vorsah, dass nur innerhalb des Dorfes geheiratet werden durfte. Glücklicherweise hat sich dieser Umstand heutzutage geändert. Die Toten einer Ureinwohner-Siedlung werden in einem Tuch eingewickelt unter stark duftende Bäume gelegt, um Tiere nicht anzulocken. Die Knochen der Toten werden auf einem Berg gesammelt.

Wir erreichen unseren heutigen Zwischenstopp: ein Restaurant am Rande des Lake Batur, dem Kratersee des Gunung Batur. Der Schichtvulkan ist noch immer aktiv, deshalb wurde nach erneuter Aktivität im Jahre 2009 die Sicherheitsstufe von „normal“ auf „wachsam“ erhöht. Es ist beeindruckend, wie die Landschaft in unmittelbarer Umgebung des Vulkans wechselt. An den Stellen, an denen sich die Lava den Weg in das Tal gesucht hat, findet sich nur schwarzer Boden, links und rechts daneben herrscht frisches Grün vor.

Bali - Gunung Batur und Lake Batur

Bali – Gunung Batur und Lake Batur

Bevor wir wieder aufbrechen, erläutert uns Made noch die Namensgebung in der balinesischen Bevölkerung, da diese strikten Regelungen unterliegt. Grundsätzlich wird jedem männlichen Neugeborenen ein „I“ voranggestellt, für Mädchen erhalten ein „Ni“ vor ihren Namen. Dazwischen erhält das Kind einen weiteren festgelegten Namen, der zum einen vom Geschlecht abhängt und zum anderen von der Zahl der Kinder, die die Eltern bereits zur Welt gebracht haben. So bekommen quasi alle erstgeborenen, männlichen Balinesen einen Namen aus einer Auswahl von drei, vier verschiedenen Namen. Ähnlich begrenzte Auswahlmöglichkeiten gibt es für die zweit-, dritt- und viertgeborenen. Bei den Mädchen natürlich analog. Mit dem fünften Kind des gleichen Geschlechts beginnt der Zyklus wieder von vorne. An das Ende wird dann der Familienname gesetzt, wie bei unserem Guide „I Made Gunawan“.

Bali - I Made Gunawan

Bali – I Made Gunawan

Wir setzen unsere Reise in den Norden der Insel fort und gelangen schließlich am nördlichsten Punkt an. Nicht weit von dort entfernt halten wir am Pura Beji, dem Tempel der Reis- und Fruchtbarkeitsgöttin Dewi Sri. Zunächst bietet sich uns ein ähnliches Bild wie bei den meisten balinesischen Tempeln, den von außen sind nur die Grundmauern und das Spaltentor zu erkennen. Nach dem Betreten erkennen wir jedoch einige Unterschiede zu den bisherigen Heiligtümern: die Schreine sind weitaus kompakter und mit dämonischen Wächtern und zahlreichen Fabelwesen reich verziert. Der Boden ist nicht mit Stein ausgelegt, sondern einfach naturbelassene Wiese oder über die Jahre festgetretener Lehm.

Bali - Pura Beji, Tempel der Reis- und Fruchtbarkeitsgöttin

Bali – Pura Beji, Tempel der Reis- und Fruchtbarkeitsgöttin

Da es nun schon später Nachmittag ist, beeilen wir uns, unser heutiges Tagesziel zu erreichen: Lovina Beach, Surferparadies und Touristenhochburg. Kaum im Hotel eingecheckt machen wir uns bereits wieder auf den Weg, um die Stadt und den Strand zu erkunden. Zunächst gehen wir stadteinwärts und bummeln ein paar Läden ab, bevor wir uns dem für seine hohen Wellen bekannten Strand zuwenden. Dort ist tatsächlich viel los. Junge Menschen aus verschiedensten Ländern kommen hier zusammen um zu feiern und zu surfen. Wir sind jedoch schon relativ knapp vor dem Sonnenuntergang erst eingetroffen, so dass wir von den Surfern relativ wenig mitbekommen. Wir nehmen noch einen Drink an einer Strandbar und genießen das Flair des Multi-Kulti-Mixes am Strand, bevor wir uns zurück in das Hotel begeben.