Bali - Reisbauer

Bali: von Klungkung zum Pura Besakih

Von Singapur flogen wir weiter nach Denpasar, also auf die Trauminsel Bali. Dort standen zunächst ein kurzer zweitägiger Hotelaufenthalt und dann die „Zauber und Mythos“-Rundreise auf dem Plan, die wir über den Reiseveranstalter Meier’s Weltreisen gebucht hatten. Eingangs ein paar wenige Worte über die Insel selbst. Bali ist nicht besonders groß: die Nord-Süd-Entfernung beträgt 120 Kilometer, von Ost nach West sind es 140 Kilometer. Die Landschaft ist geprägt von Palmen und Reisfeldern, auf denen die meisten Balinesen arbeiten. Reisbauern mit größerem Kapital können sich einen BMW leisten, einen „Büffel mit Wagen“, der die harte Arbeit etwas erleichtert. Dennoch ist das Bewirtschaften der Felder körperlich harte Arbeit mit einem verhältnismäßig geringen Verdienst.

Bali - Reisbauer

Bali – Reisbauer

Das Hauptverkehrsmittel auf Bali stellt der Motorroller dar, diesen Umstand lernt jeder, der nur ein einziges Mal eine balinesische Straße befahren hat, sofort kennen. Auf einem Roller kann nahezu alles transportiert werden: ich habe Familien zu sechst auf einem Zweirad gesehen oder auch einen Fahrer, der eine mehr als fünf Meter lange Bambusstange mit sich führte. Kinder erwarten von ihren Eltern, dass sie zu gegebener Zeit einen eigenen Roller geschenkt bekommen, da er auch als Statussymbol in der Schule gilt. Laut Made soll es Kinder geben, die sich nicht mehr in die Schule trauen, wenn alle Mitschüler einen eigenen Roller besitzen und sie selbst nicht. Im Übrigen fährt der Durschnittsbalinese ohne Helm. Der Benzinpreis unterliegt einem staatlichen Vereinheitlichungsprinzip und liegt zum Zeitpunkt meiner Reise bei 4,500 Rupia in ganz Indonesien.

Bali - Verkehr

Bali – Verkehr

Am frühen Morgen wurden wir am Hotel abgeholt und starteten unsere Tour mit einem Kleinbus und einem Führer, den ich diesmal gleich zu Beginn vorstellen möchte: I Made Gunawan. Auf die Bedeutung und Zusammensetzung des Namens komme ich später noch einmal zurück. Außer unserer Reisegruppe befanden sich noch andere deutsche Touristen mit in dem Bus.

Der erste Halt unserer Rundreise stellte Klungkung bzw. genauer gesagt die Gerichtshalle Kerta Gosa. Das Justiz-Gelände liegt inmitten des Ortes am verkehrsträchtigsten Kreisverkehr, was zu den Stoßzeiten dazu führt, dass die Luft durch Lärm und Gestank verpestet ist. Wir parken gegenüber dem Eingangstor auf einem öffentlichen Parkplatz und erfahren auch gleich, weshalb. Kaum habe ich einen Fuß aus dem klimatisierten Bus gesetzt, erdrückt mich zunächst die ernorme Hitze samt hoher Luftfeuchtigkeit und anschließend die Flut der Verkäufer, die nur auf die nächsten Touristen gewartet haben. Über Sarongs (große Tücher, die man sich umbinden muss, um die meisten der balinesischen Tempel betreten zu dürfen), Blumen und Fächer kann man hier auch Erfrischungsgetränke kaufen.

Bali - Klungkung, Gerichtshalle Kerta Gosa

Bali – Klungkung, Gerichtshalle Kerta Gosa

Nach dem Betreten des Geländes eröffnet sich mir sofort der Blick auf ein Areal, das zwar nicht besonders groß ist, aber für seine Größe auch an sich wenige Gebäude beherbergt. Auffallend ist gleich zu Beginn die große Halle, die von einem kleinen Teich umgeben in der Mitte des Platzes liegt. Der königliche Gerichtshof Kerta Gosa wurde im 18. Jahrhundert erbaut und stellte das oberste Gericht der Insel dar. Von den ursprünglichen Gebäuden blieb nach dem Eindringen der Holländer nicht mehr viele übrig: nur die Gerichtshalle und der schwimmende Pavillon können heute noch bestaunt werden. Die Baufälligkeit ist den Steinbauten aber durchaus anzusehen, zumal sie bereits mehrere Renovierungsarbeiten über sich ergehen lassen mussten. Besonderes Augenmerk sollte man auf die Decken der Gerichtshalle und des Pavillons legen. Dort sind einzigartige Malereien angebracht, die die Strafen für
verschiedene Verbrechen zeigen und dabei nicht an Grausamkeit sparen. Mit einer kleinen Vorführung an einem Instrument, das im entferntesten Sinne an ein Xylophon erinnert, endet unser Besuch in Klungkung auch bereits wieder.

Bali - Deckenmalerei in der Gerichtshalle Kerta Gosa

Bali – Deckenmalerei in der Gerichtshalle Kerta Gosa

Wieder im Bus erfahren wir, dass am 17. August der indonesische Unabhängigkeitstag gefeiert wird. Für die Feierlichkeiten müssen alle Schulen und Klassen das Marschieren üben. Der normale Unterricht wird deshalb zeitweise ausgesetzt und man kann auf den vielbefahrenen Straßen immer wieder eine Gruppe Schülerinnen und Schüler beobachten, die in ihren jeweiligen Schuluniformen in Reih und Glied marschieren. Der Schulunterricht auf Bali geht von 8 bis 12:30 Uhr und unregelmäßig auch am Nachmittag. Den Unterricht und die Schuluniformen müssen die Eltern bezahlen. Wer viele Kinder hat oder nicht genug verdient, dem kann es passieren, dass er seine Kinder oder auch die Jüngeren nicht zur Schule schicken kann. Ferien gibt es nur einen Monat im Jahr (!) und darüber hinaus an verschiedenen religiösen Festen.

Wir setzen unsere Fahrt fort und schlängeln uns über ein paar enge Straßen durch den Dschungel einen Berg hinauf. Oben angekommen machen wir unsere erste Rast und kehren ein. Das Restaurant gehört zur Ortschaft Rendang und liegt direkt am Rand des Berges. Von der Terrasse aus bietet sich ein atemberaubender Blick auf eine kleine malerische Talsenke, in der eine Reisplantage wie aus dem Bilderbuch gelegen ist. Selten habe ich beim Mittagessen einen so beeindruckenden Ausblick genießen dürfen.

Bali - Talsenke mit Reisfeldern

Bali – Talsenke mit Reisfeldern

Nach dem Essen verlassen wir das Restaurant wieder und marschieren in Richtung Bus zurück. Dabei fällt uns neben dem Eingang des Lokals ein Tier auf, welches wir beim Betreten gar nicht beachtet hatten. Ohne angeleint oder eingesperrt zu sein, hängt an einem Busch vor dem Gebäude ein riesiger „fliegender Hund“, eine Fledermaus von wahrlich gigantischen Ausmaßen. Die Spannweite der Flügel dürfte sicher einen Meter betragen und auch die Zähne sind nicht zu verachten. Völlig ohne Scheu lässt sich das Tier streicheln und fotografieren, so als ob es bereits zur Einrichtung des Restaurants gehören würde.

Bali - "Fliegender Hund"

Bali – „Fliegender Hund“

Als nächster Stopp steht der Pura Besakih am Fuße des Gunung Agung auf unserem Programm. Der Pura Besakih ist der Muttertempel und vielmehr eine Ansammlung verschiedener Tempel in einer Anlage. Über 90 Tempel gehören der Anlage an, wobei sich nur vermögende Familien den Unterhalt eines solchen im Pura Besakih leisten können. Bevor man den Tempel erreicht, ist ein kleiner Fußmarsch vonnöten. Auf einem Parkplatz, der ringsherum von Verkaufsständen (Sarongs, Bilder, T-Shirts, uvm.) gesäumt ist, verlassen wir den Bus, erstehen einen eigenen Sarong (meiner ist schwarz mit goldenen Verzierungen) und gehen zurück zur Auffahrtsstraße zum Tempel. Auf dem Weg bedeutet uns Made, den Sarong anzulegen. Da wir noch nicht so geübt in der Bindeweise des Tuches sind, hilft er uns dabei. Erst danach haben wir wieder Gelegenheit, unsere nähere Umgebung genauer zu beobachten. Auf der steilen Straße herrscht buntes Treiben. Verkaufstände begrenzen den Teer an beiden Seiten und bieten den Einheimischen alles, was sie für ihren Tempelbesuch benötigen. Über alle möglichen Kleintiere wie Enten oder Hähne bis hin zu Blumen können die Gläubigen alles erwerben. Wem der Fußweg zum Tempel zu weit ist, der kann sich gegen eine kleine Gebühr von ein paar Jungs mit dem Moped oder Roller nach oben fahren lassen.

Bali - Muttertempel Pura Besakih

Bali – Muttertempel Pura Besakih

Am Fuß des Tempels angekommen warten dann bereits die nächsten Verkäufer auf Touristen. Kleine Kinder im Grundschulalter warten mit erstaunlichen Fremdsprachenkenntnissen beim Verkauf von Postkarten oder Blüten auf und hoffen auf einen kleinen Obulus. Betritt man jedoch den Tempel, hört das geschäftige Treiben mit einem Mal auf. Man klettert laufend Stufen hinauf, da der Tempel auch nach oben hin in den Berg gebaut ist und schreitet dann durch das Spaltentor in den Kern des Tempels. Diese gespaltenen Tore findet man ausnahmslos an jedem balinesischen Tempel, da sie nach Volksglauben die Dämonen fern halten.

In den Tempeln Balis ist das Rauchen übrigens überall erlaubt! Innerhalb des Pura Besakih verzweigen viele Wege und weitere Treppen zu den einzelnen, kleineren Tempeln und wir unternehmen einen Rundgang. Dabei haben wir auch Gelegenheit, einer Zeremonievorbeitung beizuwohnen. Mehr als 90% der Bevölkerung sind Hindus und jede Familie hat einen eigenen Priester. Die Balinesen verehren neun Götter. Ihre Zeremonieren feiern die Gläubigen groß, Hochzeiten und Beerdigungen werden lange geplant und gefeiert. Bei einer Beerdigung werden die Toten auf einem verzierten „Bett“ verbrannt und ihre Asche dann am Strand verstreut. Darüber hinaus leisten die Balinesen zwei Mal täglich eine Opfergabe in einer kleinen Schale, die aus Blättern gefaltet wird. Inhalt und Umpfang der Gabe ist dem Gläubigen dabei selbst überlassen. Von Obst, Brot, Tee bis hin zu Zigaretten und Schnaps habe ich hier alles gesehen.

Bali - Zeremonievorbereitung

Bali – Zeremonievorbereitung

Anschließend setzen wir unsere Fahrt mit dem Bus wieder in Richtung Süden fort und anschließend an der Küste entlang nach Osten. Wir besuchen dort die Goa Lawah, einen Höhlentempel, der die Heimat von tausenden heiligen Fledermäusen darstellt. Glaubt man der Legende der Einheimischen, dann erstreckt sich die Höhle bis zum Gunung Agung und stellt somit eine Verbindung zwischen Ober- und Unterwelt dar. Der Fledermaustempel stellt gleichzeitig das letzte Ziel unseres heutigen Tages dar und so fallen wir kurze Zeit später erschöpft, aber mit vielen neuen Eindrücken ausgestattet, in die Hotelbetten.

Bali - Fledermaustempel Goa Lawah

Bali – Fledermaustempel Goa Lawah