Bali - Mekakken im Affenwald

Bali: von Lovina nach Ubud

Früh morgens verließen wir Lovina Beach bereits wieder und kehrten an diesem schwülen und überaus heißen Tag wieder zurück auf die Straße. Da kam uns der erste Stopp als Erfrischung genau recht. Lange mussten wir nicht durch den Dschungel fahren, eher unser Fahrer den Bus in einen kleinen Parkplatz am Rande der Straße lenkte. Ein auf den ersten Blick unscheinbares Schild lotste uns in Richtung des grünen Urwalds und versprach uns, den Zwillingswasserfall „Gitgit“ zu sehen.

Bali - Gitgit Twin Water Fall

Bali – Gitgit Twin Water Fall

Über einen kleinen Trampelpfad machten wir uns auf den Weg in Richtung des immer lauter werdenden Rauschens und wurden von plötzlich auftauchenden Balinesen überrascht, die uns vor allem Holzperlenketten und andere Souvenirs andrehen wollten. Auch hier wurden bereits die Kleinkinder wieder dazu benutzt, um dem Touri den ein oder anderen Rupiah aus der Tasche zu ziehen. Unbeeindruckt marschierten wir weiter und bogen kurze Zeit später um eine Kurve, aus der wir bereits einen schmalen Flusslauf hervorlugen sahen. Hinter der Biegung eröffnete sich uns eine breite Schlucht, an deren offenem Ende ein kleiner offener Pavillon den Eingang bildete. Den schmalen Gang am Rande der Schlucht entlang passierten wir, überquerten den Bach anschließend über eine Brücke, die aus einer Mischung von Beton und Holz extra für die Touristen angelegt zu sein schien. Nach der Brücke waren es nur noch wenige Meter, bis sich vor einer halboffenen Höhle die beiden Arme des Zwillingswasserfalls vor uns einen Weg in die Tiefe suchten. Ich schätze die Höhe des Gefälles auf nicht mehr als zwölf Meter, aber das Regenbogen-Farbenspiel des fallenden Wassers war schön anzusehen.

Bali - Gitgit Twin Water Fall

Bali – Gitgit Twin Water Fall

Wem die kühle und schattige Umgebung in der Schlucht noch nicht ausreichte, hatte auf dem Rückweg noch eine weitere Möglichkeit, sich zu erfrischen. In einem breiteren Abschnitt der Felsspalte war an einem Baum hoch oben ein Seil gespannt, mit dem man sich von einer Seite der Schlucht zur anderen schwingen konnte. Ganz Mutige nahmen im kalten Flusslauf ein Erfrischungsbad. Anschließend kehrten wir durch den Urwald zurück zum Bus und setzten unsere Rundfahrt fort.

Bali - Gitgit Twin Water Fall

Bali – Gitgit Twin Water Fall

Doch der nächste Stopp ließ nicht lange auf sich warten. Nur wenige Kilometer später hielten wir direkt am Straßenrand an und diesmal offenbarte sich der Grund des Stopps ohne Weiters: Makakken. Die grauen Bewohner des Affenwalds hatten sich auf einer Holzplanke am Rand der Dschungelstraße niedergelassen und harrten der Dinge, bis ein weiterer Touristenbus vor ihnen halt machte und einer alten Frau Bananen abkaufte, die dann den Affen zugeführt werde sollten. Wer dabei jedoch nicht aufpasste, der war sein Bündel Bananen direkt nach dem Kauf gleich wieder los, denn die Makakken waren die Begegnung mit dem Menschen gewöhnt und griffen gerne unverhofft zu. Interessant waren auch die Anpassungen der Tiere an die veränderte Situation, denn selbst eine in einer leeren Wasserflasche versteckte Erdnuss vermochten sie herauszubekommen.

Bali - Makakken im Affenwald

Bali – Makakken im Affenwald

Nachdem wir die Affen ausreichend gefüttert hatte, nahmen wir wieder Platz im klimatisierten Bus und nahmen Kurs auf Bedugul am Lake Bratan. Der erste Tempelbesuch des Tages gebührte dem Pura Ulun Danu, einem großzügig angelegten Tempelareal mit neun verschiedenen Einzeltempeln. Er ist der Seegöttin Danu gewidmet. Es kommen viele gläubige Balinesen hierher, um die Göttin um allzeit ausreichend Wasser und Nahrung zu bitten.

Bali - Pura Ulun Danu in Bedugul am Lake Bratan

Bali – Pura Ulun Danu in Bedugul am Lake Bratan

Überhaupt sind die Balinesen ein sehr religiöses Volk. Eine alte Tradition sieht vor, dass unter / um jeden heiligen Baum ein Tempel gebaut werden muss. Für die Erhaltung des Tempels sind die jeweiligen Bewohner des am nächsten gelegenen Dorfes automatisch verantwortlich. Handelt es sich um ein sehr kleines oder armes Dorf, findet man unter den Bäumen auch häufig nur einen Schrein zur Ablage der Opfergaben. Diese Schreine finden sich übrigens auch an manchen Reisfeldern, womit der Bauer für die Befreiung von Schädlingen und eine erfolgreiche Ernte bittet. Die meisten Familien besitzen mehrere Hunde und Katzen, die sich über die erbrachten Opfergaben hermachen und den restlichen Tag faul auf dem die Wärme speichernden Teer der Straße herumliegen.

Nachdem wir wieder im Bus sitzen, interessiert mich, wie Balis Strom erzeugt wird. Made klärt mich auf, dass es auf Bali selbst keine Energieerzeugung gibt, der Strom wird von Nachbarinseln bezogen. Am Straßenrand fallen uns die großen Bambusleitern auf, die ab und an herumliegen. Made erläutert uns, dass diese hauptsächlich für das Pflücken von Nelken verwendet werden, welche später zu Zigaretten, Medizin und Balsam verarbeitet werden. Damit so ein Bambus seine größtmögliche Höhe von etwa 40 Metern erreicht, richten sich die Balinesen nach dem Mondkalender, denn sie vertreten die Auffassung, dass eine zum richtigen Zeitpunkt gepflanzte Bambus-Saat besser wächst und stabiler ist.

Unweit des Mount Batukaru nehmen wir an diesem Tag unser Mittagessen ein und haben dann eine längere Fahrt bis zur Südwest-Küste vor uns, um ein weiteres Highlight der Rundreise zu erleben: den Pura Tanah Lot. Das gibt uns Gelegenheit, Made noch weiter auszufragen. Er erzählt beispielsweise, dass die beliebesten Volkssportarten der Balinesen Fußball und Volleyball sind und Spanferkel, schwarzer Reispudding, Bananensuppe und Palmzucker zu den Nationalgerichten gehören. Ein beliebtes Kinderspielzeug, welches wir auch häufig im Einsatz beobachten können, sind Flugdrachen. Sogar auf die Frage, was Tiere auf dem Markt kosten, hat Madeeine Antwort. Eine Affe kostet in etwa 200.000 Rupiah (ca. 17 EUR), ein Schein mit drei Zentnern etwa 1.600.000 Rupiah (ca. 135 EUR) und ein ausgewachsener Bulle in etwa 7.000.000 Rupiah (ca. 600 EUR). Schweine und Rind werden in Bali auch gerne als Kapitalanlage benutzt. Hat eine Familie Schulgebühren oder eine Arztrechnung zu bezahlen, greifen sie oft auf den Viehbestand zurück.

Bali - Pura Tanah Lot

Bali – Pura Tanah Lot

Als wir schließlich den Pura Tanah Lot, den Tempel des Meeresgottes erreichen, bin ich ziemlich enttäuscht. Das ganze Areal um den Tempel herum ist rein auf den Tourismus ausgelegt und dementsprechend überlaufen. Der Pura Tanah Lot ist nur bei Ebbe zu besuchen, da er ansonsten im Wasser liegt und deshalb richten wohl alle Reiseführer ihre Tagesplanung darauf aus, zur etwa gleichen Zeit dort einzutreffen. Es gibt zahllose Verkaufsstände und Händler, man kann sich mit Schlangen fotografieren lassen oder eine „heilige Schlange“ in einer Höhle bewundern, natürlich nur nach Entrichtung einer in der Höhe freiwilligen „Donation“. Fällt diese Spende zu gering aus, kann es gut sein, dass der Empfänger seine Taschenlampe nur kurz anschaltet und man nur einen spärlichen Blick auf die (wohl bereits tote und zudem) halb im Sand vergrabene Mini-Schlange werfen kann. Auch sonst ist hier nicht viel geboten, da der Tempel nicht betreten werden darf. Wer die Möglichkeit hat, sollte am Abend hierher kommen, um den Tempel im Sonnenuntergang zu sehen.

Im Anschluss fahren wir weiter nach Ubud, wo wir unsere letzte Nacht der Rundreise verbringen.