Kenia - Uganda-Bahn

Kenia: Rock Side Camp

Raus aus dem kalten Deutschland und ab in’s warme Afrika – das war die Devise für den Dezember 2010. Frischer Schneefall verabschiedete uns in Richtung Kenia, so dass Urlaubsstimmung frühestens nach dem Enteisen der Maschine aufkam. Spätestens jedoch, als wir in Mombasa am Moi International Airport ausstiegen und von tropischen Klima mit heißen Temperaturen empfangen wurden.

Kenia - Verkehr in Mombasa

Kenia – Verkehr in Mombasa

Am Flughafen zogen wir uns dann auch entsprechend sommerlich an und suchten dann nach unserem Guide, der uns für die nächsten fünf Tage begleiten sollte. Fred wartete vor seinem Jeep auf uns und begrüßte uns freundlich. Nachdem unser Gepäck verstaut war, machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Tagesziel: dem Rock Side Camp. Da es im Stadtinneren einen LKW-Stau gab, nahm Fred eine „Abkürzung“ durch die Randbezirke der Stadt. Der Weg führte uns durch Vororte von Mombasa, in denen die Menschen überwiegend in Blechhütten hausen und vor den Hütten einen provisorisch zusammengeflickten Holzstand unterhalten, an dem verschiedenste Waren angeboten werden. Das mag auf den ersten Blick nach ärmlichen Verhältnissen klingen, doch die Menschen dort machen einen fröhlichen und glücklichen Eindruck.

Mombasa ist die zweitgrößte Stadt des Landes und liegt auf einer Halbinsel am Südzipfel des Landes. Mit dem Festland ist die Stadt durch eine Fähre verbunden; es gibt zwar auch einen Landweg, doch der ist schlecht ausgebaut und stellt einen großen Umweg dar. Die großen Fähren transportieren Vehikel sämtlicher Art und Größe und darüber hinaus auch eine stattliche Zahl an Menschen. Es gehört Glück und auch das richtige Timing dazu, die Fähre zur rechten Zeit zu erreichen, sonst kann es auch gut sein, dass man eine Stunde warten muss. Fred berichtet, dass der große Hafen und eine Ölraffinerie für die meisten Arbeitsplätze in der Gegend sorgen. Voller Stolz erklärt er uns, dass diese beiden den kompletten jeweiligen Bedarf Zentral- und Ostafrikas abdecken.

Schon bald hatten wir die Stadtgrenze hinter uns gelassen und Fred lenkte den Jeep auf den Trans-Afrika-Highway, der – von deutschen Firmen gebaut – Mombasa u.a. über Nairobi mit Lagos verbindet. Es handelt sich dabei um eine breite Straße, die sehr gut ausgebaut ist und nach unseren Verhältnissen mit einer Autobahn verglichen werden kann. Die Transafrika stellt die Hauptverkehrsader für den Fernverkehr in Kenia dar. Wir fahren durch für unsere Verhältnisse völlig unerschlossenes Gebiet. Nach kenianischem Maßstab gilt die Region um die Hauptstraße allerdings als vollständig erschlossen, da alle paar hundert Meter ein Trampelpfad zu einer Ansammlung von zwei oder drei Hütten führt. Alle paar Kilometer gibt es auch Hütten direkt an der Straße, an denen die Kenianer Holzkohle oder Steinplatten verkaufen. Man sieht auch viele Frauen, die – Behälter oder andere Waren auf dem Kopf tragend – von den Wasserstellen oder „Geschäften“ zu ihrer Hütte zurücklaufen.

Kenia - Transafrika ab Mombasa

Kenia – Transafrika ab Mombasa

Mit uns auf der Trans-Afrika fahren viele nagelneue LKWs, die mit blauer Plane bespannt sind und die Aufschrift „WFP“ für „World Food Programme“ tragen. Sie bringen in schier unendlichen Kolonnen Lebensmittel von den Schiffen aus dem Hafen Mombasas direkt in das Landesinnere.

Zu meinem Erstaunen ist die Vegetation entlang der Straße erstaunlich grün. Fred erklärt, das hinge mit dem Regen zusammen, der momentan täglich für 30 bis 60 Minuten einsetzt. Es gibt aber auch viele graue Affenbrotbäume, die noch keine Blätter tragen. Man erkennt sie an der Farbe und an dem kegelförmigen Stamm. Außerdem kann man vereinzelt Kakteen beobachten, sieht Aloe Vera-Pflanzen und zudem riesige Sisal-Felder, aus denen Seile oder auch Handtaschen erzeugt werden. Neben dem Highway verlaufen die Schienen der Uganda-Bahn, die Mombasa mit Nairobi verbindet. Für die 500 Kilometer benötigt die Bahn immerhin 13 Stunden.

Kenia - Uganda-Bahn

Kenia – Uganda-Bahn

An einer schon etwas größeren Ortschaft hält Fred kurz am Straßenrand und kauft für uns in Plastiktüten eingeschweißte, in Naturöl leicht angeröstete Nüsse – ein echter Genuss!

Anschließend machen wir den ersten Stopp, bei dem wir den Jeep auch verlassen. Engwata ist eine Ansammlung einiger Steinhäuser, die – von einem Zaun umringt – auch direkt an der Hauptstraße liegt. Hier ist eine kurze Toilettenpause eingeplant und wir können uns mit Softdrinks eindecken. Für eine Sprite, eine Pepsi und eine Cola bezahlen wir 350 Kenianische Schilling, was 3,50 Euro entspricht. Selbstverständlich werden wir bei diesem Stopp auch durch einen Verkaufsraum gelotst, in dem wir landestypische Holzschnitzereien, Schachbretter oder Schmuck kaufen sollen. Da wir aber zunächst Land und Leute kennen lernen wollen, fahren wir ohne Einkauf weiter.

Kenia - Rock Side Camp

Kenia – Rock Side Camp

Auf unserem Weg begegnen uns Ureinwohner zu Fuß; in Landestracht, mit Speer bewaffnet und Silberschmuck im Gesicht. Wir kommen an zwei Moscheen vorbei, die für einen objektiven Betrachter ebenfalls ziemlich „ab vom Schuss“ gelegen sind. Schon bald passieren wir mit unserem Jeep den Eingang zum Tsavo Ost-Nationalpark, verlassen die Hauptstraße aber kurz darauf und fahren auf einmal mitten durch die Savanne! Etwa zehn Minuten dauert die Querfeldeinfahrt auf einem wirklich völlig unbefestigten Weg, bis wir unsere Unterkunft für die nächsten beiden Nächte erreichen: das Rock Side Camp.

Kenia - Anfahrt zum RSC

Kenia – Anfahrt zum RSC

Wir werden von Kenianern in grüner Uniform begrüßt. Sie nehmen unser Gepäck und begleiten uns auf einem Natursteinweg durch den Busch in das Camp. Im „Hauptgebäude“ werden wir von der Besitzerin, einer Deutschen, empfangen. Sie hat das Camp innerhalb der letzten 20 Jahre aufgebaut und lebt seitdem hier. Der Check-In erfolgt formlos und wir beziehen unsere „Zimmer“. Der Ausdruck stimmt allerdings nicht ganz, denn vielmehr handelt es sich um freistehende Steinhäuser, die rustikal landestypisch eingerichtet sind. Das Besondere daran ist, dass alle Häuser den Blick auf die offene Savanne und den Busch bieten. Die Natur ist um das Camp herum noch vollständig  unberührt, das ist wirklich unglaublich! Am Nachmittag brechen wir zu einer kleinen Wandertour auf. Direkt hinter dem Camp befindet sich der Felsen, dem das Lager seinen Namen verdankt. Mit einem RSC-Guide erklimmen wir den Felsen und erfahren dabei viel über das angrenzende Gebiet und die angesiedelten Stämme. In der unmittelbaren Umgebung gibt es drei Stämme (in ganz Kenia ca. 40). Das Volk an den Bergen ist „reich“, da sie viele Tiere besitzen. Der Stamm im Busch ist eher „arm“ und lebt überwiegend vom Maisanbau. Sie leben polygam, was bei den armen Verhältnissen zu vielen Problemen führt. Hat der Mann zum Beispiel mit seiner ersten Frau vier Kinder, stellen seine anderen Frauen die gleichen Ansprüche. Das führt zwangsläufig zur schnellen Verbreitung von Aids. Das dritte Volk der Umgebung lebt auf Grund des Staates und bewirtschaftet diesen ebenfalls mit Mais. Auf ein weiteres Problem der Umgebung stoßen wir, als uns Ranger Joshua entgegen kommt. Er verbringt den ganzen Tag auf seinem Beobachtungsposten, um Wilderern auf die Spur zu kommen. Die Aussicht von der Spitze des Felsens ist atemberaubend. Man kann das ganze grüne Tal überblicken, hat Ausblick auf das Camp und die dazugehörigen Wasserstellen sowie die größeren Hügel und Berge der Umgebung. Wer das RSC besucht, sollte diese Felsbegehung auf jeden Fall mitmachen!

Wer es noch etwas genauer haben möchte, kann gerne hier auf der Google Maps-Karte noch weiter herumstöbern, ich habe das Rock Side Camp dort eingezeichnet.


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