Kenia: Trans Afrika - vom RSC zum Amboseli

Kenia: Trans Afrika – vom RSC zum Amboseli

Heute morgen geht es schon sehr früh los, da wir eine große Strecke zurücklegen müssen. Schon um halb sechs müssen wir aufstehen und unsere Koffer in den Jeep verladen. Nach einem kurzen Frühstück biegen wir bereits gegen sieben Uhr wieder auf die Trans Afrika ein und fahren landeinwärts. Das Rockside Camp mit seiner deutschen Besitzerin Nana Tozer, die vor über 1986 mit einem „Hunting Camp“ begonnen hat und nun Safaritouristen beherbergt, lassen wir jetzt hinter uns. Sie hat sich wirklich außerordentlich rührend um uns gekümmert.

Viehhirten

Viehhirten

In den ersten drei Stunden legen wir etwa 220km auf der Fernstraße zurück. Währenddessen haben wir viel Zeit, Fred mit Fragen über Land und Leute zu bombardieren. Wir erfahren, dass Kenias 42 Stämme zwar durchaus sehr unterschiedlich sind, trotzdem untereinander in Frieden leben. Die Kinder Kenias haben seit letzten Freitag Ferien. Da hier ja nun Sommerferien sind, dauern die Ferien insgesamt vier Wochen.

Die Höchstgeschwindigkeit auf öffentlichen Straßen beträgt 80km/h. Hauptsächlich sieht man deutsche LKWs und japanische Autos, genaugenommen fast ausschließlich Toyotas. Die Trans Afrika wurde von Strabag, einer deutschen Firma gebaut. Um die Unfallgefahr in Ortschaften entlang der Straße zu reduzieren, wurden Schikanen in den Straßenverlauf eingebaut. Das sind kleine Teerhügel, die man nur in Schrittgeschwindigkeit überfahren kann, wenn man sein Gefährt nicht ruinieren will. Fred amüsiert sich darüber, dass eine deutsche Firma diese Schikanen in seinem Land errichtet, obwohl sie es in ihrem Heimatland nicht oder nur selten tut. Alles in allem ist Fred jedoch froh über die deutsche Wertarbeit, da die zuvor von einer chinesischen Firma erbaute Straße bei weitem nicht so gut gewesen sein soll. An den Schikanen tummeln sich selbstverständlich Händler, da man ja ohnehin fast auf Stillstand herunterbremsen muss, und bieten ihre Waren direkt am Fenster des Jeeps an. Ein Sack Holzkohle kostet dort 600 Schilling, ein Netz Tomaten 100 Schilling.

Manyari Prison

Manyari Prison

Gerade fahren wir am Gefängnis von Manyari vorbei, in dem vor allem Wilderer für zwei Jahre eingesperrt werden, da sich die festgesetzte Strafe in der Regel keiner der Betroffenen leisten kann. Einige Zeit und unzählige Termitenhügel, Paviane, Antilopenherden und vereinzelte Zebras abseits der Straße später lenkt Fred den Jeep in den Vorhof eines Krankenhauses, dass sich in einem kleinen Ort direkt an der Trans Afrika befindet. Er kauft dort Medizin von einer Frau, die das Fläschchen direkt zum Wagen bringt. Ein Ranger des Parks hatte Fred über Funk gebeten, ein Mittel gegen Gicht mitzubringen.

Makindu District Hospital

Makindu District Hospital

Als wir zurück auf der Trans Afrika sind, weist uns Fred rechter Hand auf das Nykia-Plateau hin, welches über 300km lang ist und so aussieht, als wäre es exakt horizontal mit einem Messer abgeschnitten. Fred sagt, es wäre das längste Plateau der Welt. Ohne es besser zu wissen, hege ich Zweifel. Gegen 11 Uhr machen wir endlich eine Pause, da der Jeep getankt werden muss und unser Fahrer diese Gelegenheit natürlich nicht auslässt, uns wieder an einem Shop-Stopp warten zu lassen, bis er zurückkehrt. Da diese Stopps mit ihren Verkaufsläden tatsächlich alle genau gleich aussehen und auch exakt den selben Ramsch verkaufen, nehmen wir wieder nichts mit und fahren weiter. Zurück auf der Straße können wir live beobachten, wie in Kenia Stromleitungen verlegt werden. In Abständen von ca. 300m laufen Männer, die gemeinsam über ihren Schultern ein Drahtseil gelegt haben und es so von einem Masten zum nächsten ziehen. Immer einer nach dem anderen, alle 300m einer. Kaffee gibt es in dieser Region übrigens nicht, der wird im Hochland im Norden angebaut, da es dort etwas kühler ist.

Stromleitungen

Stromleitungen

Endlich verlassen wir die Hauptstraße und biegen auf eine Nebenstraße ein, der Qualitätsunterschied ist sofort spürbar. Laut Fred ist das logisch, da dies der Teil der Straße ist, der noch von der chinesischen Straßenbaufirma angelegt wurde.

Straße ins Landesinnere

Straße ins Landesinnere

An dieser Stelle könnte ich vielleicht mal ein paar Worte zu Fred verlieren, denn unser Fahrer beschreibt sich selbst so:

Mein Name ist Frederick, ich bin 52 Jahre alt, mit einer Frau verheiratet und habe vier Kinder. Ich bin katholischer Christ.

Damit ist für ihn alles gesagt und ich bohre auch nicht weiter nach. Wir befinden uns mittlerweile 2.300m über NN und folgen weiter der Straße durch die Serengeti. Am Rande der Straße sehen wir ab und an Ruinen von Steinwohnhäusern. Fred erklärt, dass hier vor dem Straßenbau Familien gelebt haben, für deren Kinder und Vieh es an der Straße aber zu gefährlich ist und die deshalb vom Staat umgesiedelt wurden. Als wir eine wahrhaft riesige Herde von Büffeln und auch Giraffen neben der Straße bemerken, halten wir an, um ein paar Fotos zu machen. Weit lässt uns Fred aber nicht von der Straße gehen, da wir uns hier mitten in der Wildnis befinden und man nie weiß, welches Tier gerade Hunger hat.

Wegweiser zum Amboseli Nationalpark

Wegweiser zum Amboseli Nationalpark

An dieser Stelle ist es uns übrigens zum ersten Mal einen Blick auf den höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo, zu werfen. Der „Kili“ ist mit 5.850m nur knapp keiner 6.000er, dennoch ist es höchst imposant, aus der Serengeti mit gefühlt mehr als 30° Grad hinauf zum schneebedeckten Gipfel des Bergriesen zu blicken. Bislang war der Blick auf den Berggipfel noch eingeschränkt möglich, da die Wolken am Vormittag einen natürlich Vorhang bildeten. Doch das sollte sich später ändern.

Wolkenverhangener Kilimandscharo

Wolkenverhangener Kilimandscharo

Kurz vor Mittag verlassen wir die chinesische Teerstraße und folgen einem Wegweiser auf einen Feldweg, der die Entfernung zum Amboseli Nationalpark mit 18km ausweist. Nach 45 Minuten halten wir an einem Rund von etwa 25 Holzhütten, einem Massaidorf. Nach dem Entrichten einer Gebühr von 20 USD pro Person dürfen wir mit den Massai tanzen, ihre Häuser und Bräuche kennen lernen und es wird sogar für uns gebetet.

Massai-Dorf

Massai-Dorf

Das Gebet besteht aus einem Wort („Nai“), was so viel wie unser „Amen“ bedeutet und ständig wiederholt wird. Es wird uns noch gezeigt, mit welchen Hölzern die Massai Krankheiten heilen und wie sie Feuer machen. Abschließend können wir natürlich auch wieder handwerkliche Erzeugnisse der Dorfbewohner erwerben. Eine Stunde später passieren wir dann den Eingang zum Amboseli Nationalpark, unserem Ziel für die nächsten anderthalb Tage.