Kenia - Elefanten

Kenia: Tsavo East National Park

Unser heutiger Tag beginnt früh, bereits um sechs Uhr morgens. Die erste Nationalpark-Jeep-Tour steht an. Nach einem ausgiebigen Camp-Frühstück holt uns Fred ab und wir starten direkt wieder auf die Trans-Afrika. Wir folgen dem Highway für etwa 40 Kilometer in das Landesinnere und beobachten nun auch die ersten wilden Affen am Rande der Straße. Auch eine neue Form von Behausungen konnten wir auf dem Weg feststellen: Hütten mit gebogenen Holzstangen werden mit Folien und Planen bedeckt und bieten – wenn überhaupt – nur Schutz gegen leichten Regen. Wir passieren ein Dorf auf der Auffahrt zum Nationalpark, in dem uns viele gut gekleidete Menschen begegnen. Fred erzählt uns, dass die Kenianer sonntags adrett gekleidet in die Kirche gehen. Immerhin ist heute der dritte Advent! Die Mehrheit der Kenianer sind katholische Christen, trotzdem sind nahezu alle Weltreligionen im Land vertreten.

Kenia - Tsavo East Gate

Kenia – Tsavo East Gate

Kurz darauf erreichenwir das Tor des Parks. Vor uns liegt eine weite Ebene mit vielen verschiedenen Bäumen und Sträuchern in allen erdenklichen Grüntönen. Es gibt keine wirklich befestigten Straßen im Park. Wir benutzen mit dem Jeep festgefahrene Lehmwege, die auch nicht verlassen werden dürfen. Ebenfalls verboten ist das Aussteigen aus dem Jeep, da das aufgrund der wilden Tiere zu gefährlich ist. Unsere erste Wildbeobachtung sind Antilopen, die unweit des Parkeingangs in einem Rudel die Savanne abgrasen.

Kenia - Elefanten

Kenia – Elefanten

Kurz darauf geht es Schlag auf Schlag! Der erste der „Kenya Big Five“ lässt sich in gebührender Entfernung blicken: der „Tsavo East Red Elephant“. Er verdankt seinen Namen der Angewohnheit, sich nach dem Baden mit rotem Lehm zu bewerfen, um sich so vor Fliegen zu schützen und die Haut zu kühlen. Ein ausgewachsener afrikanischer Elefant wiegt bis zu fünf Tonnen. Kein Wunder, da er (wenn ausreichend Futter vorhanden ist) pro Tag 300 Kilogramm Gras, Baumrinde und Äste sowie 200 Liter Wasser zu sich nimmt. Dieses Programm schafft er auch nur, weil er 18 Stunden des Tages mit Fressen verbringt; die restliche Zeit schläft er. Ein Bulle bleibt nie bei einer einzelnen Herde, sondern wechselt den Zug regelmäßig. Das dürfte ihm auch nicht zu schwer fallen, da die Elefanten in Kenia und vor allem im Tsavo East sehr zahlreich sind. Kenia hat eine Fläche von ca. 583.000 km² und dort leben ca. 30.000 Elefanten. Der Nationalpark beherbergt davon auf einer Fläche von ca. 13.000 km² etwa 10.000 Tiere. Für die Landesbewohner sind sie schon fast eine Plage. Früher noch durch Wilderer in ihrer Existenz bedroht, gibt es heute Überlegungen, den Bestand von Hand zu reduzieren. Von seinen indischen Artgenossen unterscheidet sich der Elefant zunächst durch das Aussehen. Die Ohren sind unterschiedlich geformt und werden als Klimaanlage benutzt. Zudem ist der afrikanische Elefant deutlich größer als sein indisches Pendant. Ein weiterer markanter Unterschied ist charakterlich bedingt. Während der indische Elefant lernfähig ist und für verschiedene Arbeiten gezähmt werden kann, ist der afrikanische aggressiv und lässt sich nicht zähmen. Eine Kuh kann übrigens alle 22 Monate ein Junges austragen. Für Nachwus ist somit gesorgt.

Eine einzelne Giraffe taucht zwischen den Büschen auf und grast die umliegenden Sträucher ab. Leider ist sie noch sehr weit entfernt, ich hoffe aber, bald noch näher heranzukommen. Direkt im Anschluss kreuzt eine Herde Zebras unseren Weg. Sie fressen unmittelbar neben dem Feldweg und lassen sich bereitwillig fotografieren. Auch die Zebras wälzen sich in der roten Erde, um sich vor der Hitze und Insekten zu schützen.

Kenia - Zebra

Kenia – Zebra

Gegen elf Uhr vormittags brennt die Sonne unermüdlich vom Mittagshimmel und die Landschaft entlang unserer Route verändert sich. Wir befinden uns nun in einer Region, in der der Boden nicht mehr ganz so rot ist und damit auch wesentlich trockener. Das erkennt man auch an der Vegetation, da diese farblich immer matter und insgesamt auch spärlicher wird. Da sich die Tiere um diese Zeit in den Schatten zurückziehen, nehmen auch wir eine kurze Pause und kehren in der Lodge Ashnil ein, in der besonders große und farbenprächtige Echsen zu Hause sind.

Kenia - Ashnil Lodge im Tsavo East

Kenia – Ashnil Lodge im Tsavo East

Anschließend fahren wir zu einem großen See, der in der Trockenzeit von vielen Tieren aufgesucht wird. Da es in den letzten Tagen verhältnismäßig viel geregnet hat, treffen wir nur einen Wasserbock an. Da es gegen 14 Uhr noch immer sehr heiß ist, lassen wir uns an einem anderen Platz zum Mittagspicknick nieder. Wir werden dabei von kleinen Meerkatzen, Antilopen und einem Pavian belagert. Der Pavian macht sich sofort an einem Mülleimer zu schaffen und durchwühlt diesen systematisch. Nach einer längeren MIttagspause geht es zurück in den Jeep und weiter auf die Suche nach dem Rest der Big Five. Wir sehen neben riesigen Elefantenherden, unzähligen Antilopen und einer weiteren Giraffe auch eine Landschildkröte, die auf ihrem gar nicht so langsamen Weg zurück in den Schutz der Sträucher argwöhnisch von einer Spitzkobra (ganz in silber) beäugt wird. Sehr lustig sehen die Mistkäfer aus, die in einer Kugel aus Elefantendung ihre Eier abgelegt haben und diese gemeinsam die Straße entlangrollen.

Kenia - Mistkäfer

Kenia – Mistkäfer

Wir folgen der Richtung der Käfer und halten auf einmal an einer Stelle, an der Fred uns auf einen etwa 200 Meter entfernten, hinter Büschen verborgenen Baum hinweist. Nur mithilfe unserer Ferngläser und dem Zoom der Kamera entdecken wir das Löwenpärchen, das es sich im Schatten des Baumes gemütlich gemacht hat. Es dauert lang, bis sich die beiden dazu entschließen, sich doch einmal zu regen, aber das Warten lohnt sich. Der König der Tiere kommt aber hoffentlich nicht zum letzten Mal während unserer Safari vor meine Linse! Immerhin haben wir nun den zweiten der Big Five gesehen. Bei den Löwen haben wir viel Zeit verbracht und unser Tag neigt sich dem Ende zu. Kurz vor drei fahren wir schon wieder Richtung Ausgang des Parks, als ich im Vorbeifahren auf einmal eine Herde großer dunkler Tiere zu unserer Rechten erkenne. Büffel! Imposante, schwarze Tiere, die sich ihren Rücken von kleinen Vögeln von Parasiten befreien lassen. Fred mahnt, dass diese dritte Tierart der Big Five unberechenbar ist und dass er viele Fälle kennt, in denen die Büffel grundlos aggressiv geworden sind und Besucher angegriffen haben. Deshalb fahren wir schnell weiter. Unter dem Beschleunigen erzählt unser Guide noch, dass Büffel ihre Jungtiere innerhalb von zehneinhalb Monaten austragen.

Kenia - Büffel

Kenia – Büffel

Beim Verlassen des Nationalparks freut sich Fred noch wie ein kleines Kind, als vor uns zwei fast winzige Antilopen vorbeispringen. Es handelt sich um zwei jedoch schon völlig ausgewachsene Dikdiks, die er schon den ganzen Tag über gesucht hat. Sehen süß aus!

Um kurz vor halb vier halten wir in der nächsten Ortschaft, da Fred nach der Kreuz- und Querfahrt im Park dringend tanken muss. Natürlich lässt er uns wieder an einem Shop-Stopp warten, wo wir von penetranten Verkäufern regelrecht belagert werden und die erst von uns ablassen, als wir ihnen einen Kugelschreiber schenken. Gegen vier treten wir dann die halbstündige Rückfahrt in’s Rock Side Camp an. Dort angekommen, unternehme ich noch auf eigene Faust eine Erkundungstour durch den Busch. Zu sehen sind zahlreiche Antilopenhufabdrücke und auch Knochenstücke, die jedoch – wie wir später erfahren – von den Pavianen aus dem Camp-Abfall stibitzt und abgenagt im Busch liegen gelassen werden. Da mir nach der vorherigen Begebnung mit der Kobra im hohen Gras doch etwas mulmig wird, mache ich mich relativ bald wieder auf den Rückweg in’s Camp.

Am Ende des Tages bin ich etwas böse auf Fred, weil er mir meinen Mythos des Elefantenfriedhofs genommen hat. Den gibt es tatsächlich nämlich nicht. Elefanten sterben i.d.R. mit 60 Jahren, da ihnen ihre Zähne, die sonst alle zehn Jahre neu nachwachsen, ausbleiben und sie nur noch Wasser zu sich nehmen können. Die meisten Elefanten sterben deshalb in der Nähe einer Wasserstelle, weswegen der Mythos des Elefantenfriedhofs entstanden ist.