Sansibar: Spice Tour

Sansibar: Spice Tour

Nach dem insgesamt doch eher enttäuschenden Jozani Rainforest geht es mit dem Auto weiter zum zweiten Teil unserer Tagestour: der Spice Farm. Die Gewürze haben Sansibar berühmt und reich gemacht und ihr zusätzlich den Namen „Gewürzinsel“ eingebracht, weshalb es keine Frage ist, dass wir eine Plantage besuchen wollen. Auf dem Parkplatz des von außen eher unscheinbaren Gebäudes werden wir von Nassir empfangen, der sich als unser Spice Boy vorstellt.

Star fruit

Star fruit

Bei ihm ist auch James Bond, der unsere Tour begleiten wird. Nassirs Deutsch ist ausgesprochen gut, er kann zwar nicht die gesamte Tour durch die Farm auf Deutsch leiten, weiß aber die deutschen Namen für fast alles. Wir starten bei einer Pflanze, deren Früchte aussehen wie Kartoffeln und obendrein sogar auch so schmecken, tatsächlich handelt es sich aber um den Bready Tree mit der Bready Fruit. Diese Frucht hatten wir wenige Tage zuvor bereits beim Abendessen im Hotel gekostet und für gut befunden, hier nun also der Ursprung. Über Kurkuma (auch: Gelber Ingwer) geht es weiter zur Sternfrucht, die zwar noch nicht ganz reif ist, aber Nassir lässt uns trotzdem kosten. James Bond faltet in der Zwischenzeit eine kleine Tüte aus Palmblättern, die er uns übergibt und uns bedeutet, die bereits kennengelernten Gewürze und Pflanzen dort hineinzustecken. Denn wir dürfen nicht nur alles probieren, sondern auch von allem eine kleine Kostprobe mit nach Hause nehmen.

Pili Pili Manga

Pili Pili Manga

Danach geht es weiter zu einem uns bereits bekannten Gewürz, das wie überall sonst auf der Welt auch hier einen eigenen Namen hat: Pili Pili Manga ist das, was wir als schwarzen Pfeffer kennen. Frische Pfefferkörner sind zwar sehr scharf, haben aber einen ganz anderen Nachgeschmack, der sehr interessant und lecker schmeckt. Nachdem wir am Lemon Grass (Chai Chai) vorbeigekommen sind, halten wir an einer anderen, sehr interessanten Frucht: der Lippenstiftfrucht. James Bond öffnet die kastanienähnliche Frucht und zerdrückt die kleinen roten Kugeln im Inneren mit den Fingern. Heraus kommt eine rote Paste, die er sich anschließend auf die Lippen aufträgt, seinen Haaransatz damit rot färbt und sie auch im Gesicht als Farbe verwendet. Alles Natur und besser als echter Lippenstift, soll einen halben Tag halten. An Muhogo (Maniok) vorbei sehen wir Cahaoa (Kaffee) und Mdalasini (Zimt), dessen Rinde ganz frisch abgeschnitten noch viel intensiver riecht.

Pili Pili Hoho probieren wir besser nicht, denn so eine rohe Chili würde mir wahrscheinlich den Garaus bereiten. Danach sehen wir eine langgezogene Frucht, die gar nicht so leicht zu ernten und zu verarbeiten ist, dafür umso besser riecht: die Vanille. Weiter geht es an Heliki (Kardamom) und Bananenstauden vorbei bis zum Tangawizi (Ingwer). Bei der Mimosa („Touch-me-not“) erklärt Nassir, sie würde vom Ehemann eines frisch vermählten Brautpaares rund um das gemeinsame Haus gepflanzt, als Sicherheit. Denn die Blätter der Mimose schließen sich nach Berührung, so dass der Mann sofort sehen kann, wenn ein Fremder die Gesellschaft seiner Frau aufgesucht hat. Der Wahrheitsgehalt dieser Information ist jedoch stark anzuzweifeln. 😉

Lippenstiftfrucht

Lippenstiftfrucht

Danach kommen wir noch zu Henna, dem Farbstoff, mit dem sich die Frauen jeden Alters Hände und Füße bemalen, sowie zur Durian („Stinkfrucht“, die ich noch aus Singapur kenne) und zu guter letzt zu Karafuu (Nelke). Die gesamte Führung war dabei unglaublich lehrreich und unser Guide Nassir wusste exzellent Bescheid, so dass die Tour zu einem tollen und vor alle auch interessanten Erlebnis wurde.

Während unseres Streifzugs durch die Farm hat James Bond auch noch weiter für uns gebastelt: zwei Kronen, eine Halskette mit Froschanhänger, ein Armband, einen Ring und eine Krawatte sowie eine Tasche in Ananas-Form, um alles tragen zu können. Als Materialien hat er dabei ausschließlich Palm- und Kokosnussblätter verwendet, wirklich beeindruckend.

Vanille

Vanille

Zwischenzeitlich bekamen wir auch die Gelegenheit, verschiedene pflanzliche Kosmetikprodukte mit den Erzeugnissen der Farm zu erwerben. Da die kleinen Döschen jedoch wenig hygienisch erschienen und auch sehr teuer waren, ließen wir die Finger davon. Wir bekamen während der Tour durch die Plantage auch eine frische Kokosnuss zum Trinken (Nassir: „Better than Coca Cola.“) und durften das frische Fleisch verzehren. Ein weiterer Spice Boy zeigte uns dabei, wie man mithilfe eines zu einer „8“ gebundenen Seils zwischen den Füßen eine Palme nach oben klettert.

Danach näherten wir uns dem Ende und der obligatorische Besuch im Spice Shop stand noch an. Kein Besuch der Spice Farm, ohne nicht noch um ein paar Gewürzbeutel gefeilscht zu haben! Der Preis für die Gewürze war natürlich höher als auf dem Darajani-Markt in Stone Town, doch die Verkäufer waren um keinen Grund verlegen, seien die Spices auf der Farm natürlich wesentlich frischer und gesünder. Wie auch immer, natürlich wollten wir die Spices auch auf der Farm kaufen, auf der wir sie kennengelernt haben und über den finalen Preis braucht man auch nicht jammern, selbst wenn in der Stadt vielleicht noch mehr rauszuholen gewesen wäre. Danach gibt es zum Abschluss noch ein paar frische Früchte und wir plaudern noch etwas mit Nassir, bevor die Tour dann ganz beendet ist. Anschließend geht es zurück zum Hotel und man kann getrost behaupten, dass die Spice Tour  wirklich alles wieder wett gemacht hat, was uns im Jozani nicht gut gefallen hat. Die Spice Tour gehört für mich deshalb zu den absoluten Must-Do’s auf Sansibar.