Sklavendenkmal

Sansibar: Stone Town

Nach unserer Rückkehr von Prison Island nahmen wir ein kurzes Mittagsmahl im Mercury’s Restaurant¹ ein, das direkt am Hafen von Stone Town liegt. Besonders erwähnenswert ist hier neben der guten Küche die Möglichkeit, gratis WLAN zu nutzen. Vom Mercury’s aus starteten wir anschließend unsere nachmittägliche Tour durch Stone Town, die Hauptstadt Sansibars.

Fleisch am Darajani Market

Fleisch am Darajani Market

Zu Fuß machen wir uns auf und folgen Guide Alex durch die schmalen, verwinkelten Gassen der Altstadt. Wir kommen an unterschiedlichen Gotteshäusern vorbei und treffen vor allem auf viele Bewohner, die ihrem offensichtlich ungeregelten Alltag nachgehen. Aus hohen Gebäuden mit weißer Fassade und vergitterten Fenstern können wir laute Kinderstimmen wild durcheinanderschreien hören. In Deutschland gibt eine Schule um die Mittagszeit wohl kein anderes Bild ab.

Der Kern von Stone Town ist nicht besonders groß und zu Fuß gut abzulaufen. Ehe wir uns versehen, haben wir den Darajani Market mit Obst, Gemüse und Fleisch (in der prallen Sonne – igitt!) bereits hinter uns gelassen und stürmen durch den Fischmarkt.

Fischmarkt

Fischmarkt

Unser Guide hat es offensichtlich eilig, ehe wir ihn daran erinnern, dass wir nicht auf der Flucht, sondern zu unserem Vergnügen hier sind. Danach passt er seine Geschwindigkeit zwar etwas an, von seinen Erklärungen bekommen wir dennoch nicht viel mit. Das ist aber wohl das Los derer, die lieber ein, zwei Minuten länger an einem interessanten Ort verweilen, um das Foto ihrer Wahl zu schießen (und natürlich der dazugehörige Partner…). Viel bringt es deshalb auch nicht, dass Alex es nun ruhiger angehen lässt, denn die Tour durch die Innenstadt ist fast vorüber. Wir kommen noch an einem großen Souvenirladen vorüber, der mit fairen Preisen für allen möglichen Krimskrams aufwartet, den wir Touristen so gerne erwerben. Postkarten und Briefmarken sind hier noch mit am günstigsten.

Anglikanische Kirche

Anglikanische Kirche

Nur wenige Meter weiter steht das Geburtshaus von Freddie Mercury, das wir jedoch nur von außen betrachten. So richtig interessiert es uns aber auch nicht, wenn man so ehrlich sein darf. Den Abschluss unserer Stadtour bildet das Alte Fort, von dem ich mir eigentlich viel mehr erwartet hatte. Die Mauern und viele Gebäude sind noch erhalten und schließen einen großen Platz mit einer grünen Wiese ein, doch statt historischer Eindrücke haben sich die Straßenverkäufer mit ihren Läden breit gemacht und zerstören die sonst sicher noch vorhandene Atmosphäre aus der Kolonialzeit. Da unser Ausflug kurz darauf am House of Wonders endet stellen wir fest, dass ein wesentlicher Teil der Sehenswürdigkeiten von unserem Anbieter ausgelassen wurde: das Sklavendenkmal, welches ein Geschenk der schwedischen Künstlerin Clara Sörnäs ist und die Anglikanische Kirche direkt daneben, die exakt auf dem selben Platz errichtet wurde, auf dem früher die Sklaven zur Auktion ausgestellt wurden. Da wir uns diese historischen Stätten nicht entgehen lassen wollen, kehren wir an unserem letzten Tag vor dem Abflug noch einmal zu zweit zurück und besuchen einige der interessanten Spots noch einmal: den Darajani Market und vor allem die anglikanische Kirche mit dem Sörnäs-Denkmal.

Raum für 50 Sklaven

Raum für 50 Sklaven

Zum Beginn unserer Führung durch die Kirchenanlage (der Guide ist im Eintritt inbegriffen) besichtigen wir die Verliese, in denen die Sklaven bis zu den Auktionen eingesperrt waren. Linker Hand gab es einen kleineren Raum, in dem bis zu männliche 50 Sklaven untergebracht waren. Als wir hinunterstiegen, konnten wir in dem schmalen Gang, der bei Ebbe als Zugang und bei Flut gleichzeitig als Toilette benutzt wurde, kaum stehen. Die Sklaven mussten dagegen noch auf der erhöhten Stufe ausharren, bis es zur nächsten Auktion kam. Für die weiblichen Sklavinnen war der Raum zwar etwas größer, doch dafür wurden dort auch bis zu 75 Frauen untergebracht. Auf den Bildern kann man übrigens nur etwas erkennen, da mittlerweile elektrisches Licht in den Räumen installiert wurde. Früher gab es bloß die schmalen Scharten, durch die Licht eindringen konnte. Die beiden Räume waren durch einen kurzen Gang miteinander verbunden, an dem auch der Ausgang angrenzte. Aus der Sklavengruppe wurden Aufseher bestimmt, die diesen einen Zugang zu bewachen hatten. Nach jeder Auktion wurde ein anderer von ihnen dazu berufen, dafür zu sorgen, dass kein Leidgenosse fliehen konnte.

House of Wonders

House of Wonders

Anschließend gingen wir zunächst zum Denkmal von Clara Sörnäs, ehe wir uns der Anglikanischen Kirche widmeten. Obwohl der Anteil der christlichen Bevölkerung auf Sansibar unter 2% liegt, ist die Kirche jeden Sonntag voll, erklärt unser Guide mit sichtlich stolzer Miene. Bereits beim Betreten der Kirche fällt auf, dass die Säulen im Eingangsbereich verkehrt herum stehen. Geht man durch das baufällige und von außen wesentlich größere Kirchenschiff hindurch, so fällt einem unweigerlich der im Vergleich zum Rest mit viel Liebe zum Detail und schön verzierte Altarbereich der Kirche auf. Zunächst nehmen wir jedoch in einer der vorderen Reihen Platz und unser Guide erklärt uns, dass die Kirche  heute an dem selben Platz steht, auf dem sich früher der Marktplatz für Sklavenhandel befand. Erst 1887 kauften anglikanische Missionare den Platz auf und errichteten die Kirche darauf. Bischoff Edward Steere zeichnete sich für den Bau verantwortlich und liegt heute noch darin begraben. Vor dem Altar der Kirche befindet sich ein rechteckiger, dunkelroter Stein im Boden, in dessen Mitte ein kreisrunder Stein eingelassen ist. Der runde Stein symbolisiert den Baum, an dem die Sklaven festgebunden und ausgepeitscht wurden. Der dunkelrote Stein erinnert somit an das Blut der Sklaven. Durch die Auspeitschung der Sklaven versuchte der Verkäufer, die Widerstandsfähigkeit seiner Ware zu beweisen. Ein Sklave, der den Schlägen nicht standhielt, wurde zurück in das Verlies gebracht und bei der nächsten Auktion erneut getestet. Geht man um den Altar herum, so findet man – in den Boden eingelassen – das Grab des Bischoffs. Beim Verlassen der Kirche klärt unser Guide uns abschließend noch über die Säulen auf, die mit dem Sockel nach oben verbaut wurden. Der Bauherr Steere befand sich zum Zeit des Einbaus der Säulen gerade zu missionarischen Zwecken auf dem Festland, als die Arbeiter die Säulen verkehrtherum aufstellten. Als er schließlich zurückkam und das Malheur entdeckte, entschied er, die Säulen stehen zu lassen, da sie auch mit dem Sockel nach oben ihren Zweck erfüllten.

Nach diesem interessanten, aber auch beklemmenden Besuch verbringen wir die restliche Zeit bis zu unserem Abflug noch auf dem Darajani Market und in den verwinkelten Gassen von Stone Town und genießen abschließend noch einen Drink im Mercury’s Cafe. Bevor wir uns mit unserem Fahrer treffen, werfen wir auch noch einen Blick in das House of Wonders, das normalerweise ein Museeum beheimatet, zur Zeit unseres Aufenthalts jedoch renoviert wurde. So blieb es bei einem verstohlenen Blick durch die Eingangstür, den uns der Wachmann freundlicherweise gewährte. Danach geht es zurück zum Flughaufen und wieder nach Hause. Leider.

¹ https://www.facebook.com/pages/Mercurys-Restaurant-Zanzibar/178084778975959