Spazieren in den Souqs, mit dem Abra über den Creek

Spazieren in den Souqs, mit dem Abra über den Creek

In meinem ersten Bericht (Anreise nach Dubai) bin ich ja schon ein bisschen auf die Verhältnisse in der Stadt eingegangen. Ich habe mir aufgrund meiner Vorurteile eingebildet, Dubai nur dann richtig kennenlernen zu können, wenn ich auch einen Ausflug zu den Wurzeln der Stadt unternehmen würde, also seine ältesten Viertel. Dazu muss man sich vor Augen führen, dass Dubai zwar eine Küstenstadt ist, aber trotzdem mitten in der Wüste liegt. Die Geschichte der Stadt geht auf Perlentaucher zurück, die sich an der Mündung des Dubai Creek in den Persischen Golf niedergelassen hatten. Das moderne Dubai entwickelte sich erst ab den 60er Jahren, als das erste Erdöl im Land gefunden wurde und sich die ehemaligen Trucial States von Großbritannien lösen konnten (1971). Von dort an wuchs Dubai zu dem heran, was es heute ist. Die alten Viertel liegen vor allem im Stadtteil Deira und natürlich rund um den Dubai Creek und teilen sich in sogenannte Souqs auf. Für jeden Handelszweig gibt es eigene, in der Größe variierende Souqs, wie beispielsweise den Gold Souq (der wohl größte Gold-Markt der Welt),  den Deira Old Souq/Gewürz-Souq (der älteste Dubais) oder auch den Elektronik-Souq.

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In den Souqs

Aber nun der Reihe nach. Nach dem Frühstück lassen wir uns mit dem Taxi „in die Altstadt“ bringen. Da wir selbst nicht so genau wissen, wo wir starten sollen, machen wir nur grobe Angaben zu unseren Vorstellungen und lassen den Taxifahrer den Zielort bestimmen. Er fährt mit uns die Palme entlang zum Festland zurück und dort auf die Stadtautobahn. Am Businessviertel und dem Burj Khalifa vorbei folgen wir der Sheikh Zayed Road bis zum Dubai World Trade Center, wo wir die Autobahn wieder Richtung Küste verlassen. Schließlich lenkt unser Fahrer wieder parallel zum Küstenverlauf ein und wir erreichen das Heritage Village, eine Einrichtung, die den Touristen das Leben im traditionellen Dubai zugänglich macht. Hätten wir etwas mehr Zeit mitgebracht und wäre es nicht ganz so heiß gewesen, dann hätte mich ein Besuch in jedem Fall gereizt! Damit ist das größte Problem des Tages auch schon angeschnitten: die Hitze. Für unsere Städtetour haben wir uns den heißesten Tag der Woche ausgesucht, bereits um 11 Uhr morgens zeigt das Thermometer im Taxi 35 Grad an. Das stellen wir natürlich erst fest, als wir den Creek durch den Al Shindagha Tunnel hinter uns gelassen haben und an der Gold Souq Bus Station aus dem klimatisierten Fahrzeug aussteigen. Von dort an machen wir uns auf, die Souqs zu Fuß zu erkunden. Wir nehmen uns dabei nur den Creek in südlicher Richtung als Ziel vor und lassen uns durch die überdachten Passagen der Souqs treiben. Da uns die Hitze allerdings gehörig die Lust auf Einkäufe raubt und auch die Verkäufer in den Läden eher an einem Platz im Schatten als am Feilschen interessiert sind, lenken wir unsere Schritte schon bald dem Dubai Creek zu. Wir kommen an zahlreichen Geschäften mit funkelnder goldener Auslage oder Spielwaren und auch Gewürzen vorbei, betrete habe ich allerdings keinen einzigen Laden. Meine Erinnerungen an die Souqs werden auf jeden Fall durch die leuchtenden Farben an jeder Stelle bestimmt, denen das durch die Pavillondächer flutende Sonnenlicht einen ganz besonderen Glanz gibt. Wir landen durch zufälliges kartographisches Geschick ziemlich genau an der Al Sabkha Marine Transport Station, von der aus Boote zur anderen Flussseite ablegen. Durchaus bemerkenswert und ein guter Tipp für alle, die bei gleichen Temperaturen einen Fußmarsch durch das alte Dubai wagen: die Bushaltestellen in der Stadt sind seit 2012 vollständig auf 22 Grad klimatisiert, sodass man sich durchaus kurz abkühlen kann, wenn man an einer vorbeikommt.

Abra

Zurück zu den Booten. Die kleinen, motorbetriebenen Holzboote werden Abras genannt und bringen die Passagiere von einem Ufer zu anderen, da Brücken über den Creek eher spärlich gesät sind. Tatsächlich gibt es nur vier, allerdings keine in Küstennähe, sodass die Abras eigentlich permanent gut besetzt sind und sehr häufig ablegen. Die Fahrt selbst ist angenehm und sehr schnell vorüber, da bis zur Dubai Old Souq Marine Transport Station nur eine Strecke von ca. einem Kilometer Luftlinie zurückgelegt werden muss. Über dem Creek weht zudem ein laues Lüftchen, das zumindest für etwas Abkühlung sorgt.

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Al-Faheidi-Fort und Grand Mosque

Am anderen Ufer des Creeks angekommen, erreicht die Mittagshitze aber nun beinahe ihren Zenit, sodass wir uns gleich in den Schatten der schmalen Gässchen zurückziehen und uns einen Weg in Richtung der Grand Mosque suchen (nicht zu verwechseln mit der Jumeirah Mosque, was mir leider passiert ist…), die in unmittelbarer Umgebung des Al-Faheidi Forts liegt, dem ältesten Bauwerk der Stadt, in dem heute ein unterirdisches Museum untergebracht ist. Manche der Gassen sind dabei kaum mehr als einen Meter breit und wir treffen auf viele Einheimische, die an diesen Ecken vermutlich nicht unbedingt Touristen erwarten, zumindest deuten ihre Blicke darauf hin. Wir begutachten die Moschee und umrunden das Fort, danach halten wir es in der Hitze nicht mehr aus. Mit etwas Glück ergattern wir kurz darauf ein Taxi, dessen Thermometer eine Außentemperatur von unglaublichen 43 Grad anzeigt.

Was tut man am frühen Nachmittag, wenn es in Dubai zu heiß ist? Klar, shoppen. Deshalb lassen wir uns vor der Dubai Mall absetzen und streifen durch das riesige Einkaufszentrum, das unter anderem ein ähnlich großes Aquarium wie das Atlantis zu bieten hat, allerdings auch mit satten Preisen. Das gesamte Shopping Centre an einem Tag komplett zu schaffen, erscheint ehrlich gesagt fast unmöglich, so riesig ist es. Allerdings bietet es neben zahllosen weiteren Attraktionen einen direkten Zugang zu einer weiteren Sehenswürdigkeit Dubais, die ich im folgenden Artikel vorstellen möchte: dem Burj Khalifa.

Alle Dubai-Bilder findet ihr bei flickr. Anbei noch die Karte mit unserer Route: