Städtetrip: London

Städtetrip: London

Im September 2012 habe ich für fünf Tage einen Städtetrip nach London unternommen. Da es das erste Mal für mich auf der Insel war, bin ich relativ unvoreingenommen in das UK geflogen. Klar, die ersten Dinge, die einem beim Thema Großbritannien bzw. England einfallen sind in etwa: Monarchie, schlechtes Wetter und Pubs. Jetzt nachdem ich wieder zu Hause bin, sehe ich das ganze etwas differenzierter und möchte die Voransicht relativieren. Statt Monarchie finde ich, sollte man Tradition nennen, schlechtes Wetter ist ohnehin relativ und Pubs sind wirklich eine nette Sache.

Picadilly Circus

Picadilly Circus

Aber mal zurück zum Anfang. Der Auftakt des Trips war wenig erfreulich, da ich die Bekanntschaft mit der Airline EasyJet gemacht. Das wird eine sehr kurze Bekanntschaft sein, denn diese selbsternannte Fluggesellschaft wird mich so schnell nicht wieder sehen. Mehr als 160 Euro für Hin- und Rückflug, kein (!) Gepäckstück inklusive, das hätte nämlich nochmal 35 Euro on top gekostet und das Handgepäck auf ein Stück begrenzt – das heißt, auch keine Laptop-Tasche erlaubt. Ganz Kritische mögen jetzt vielleicht behaupten, „Hätte man ja vorher rausfinden können.“, dem entgegne ich allerdings: wie oft liest man tatsächlich das Klein- oder Minigedruckte? Bei EasyJet habe ich mich ziemlich vera****t gefühlt, weswegen ich diese Airline künftig meiden werde.

Kaum in London Stanstead angekommen, beging ich gleich den nächsten Fehler: Geldwechsel im Ankunftsbereich. Liebe Leute: Finger weg! Hebt lieber Geld mit Eurer Kreditkarte ab, der Wechselkurs ist um Welten besser. Mich hat der Bargeldwechsel gleich mal schlappe 30 Euro gekostet, obwohl die Gesellschaft sogar mit einer 0%-Gebührenpauschale geworben hat. Nur leider hilft das auch nichts, wenn der Kurs um ein Vielfaches schlechter ist. Kaum hatte ich den Abflugbereich verlassen, wurde das ganze aber auch schon etwas besser. Zunächst mal ein Sandwich erstanden, welches in GB scheinbar als Grundnahrungsmittel fungiert, da es diese „Toasts + x“ an jeder Ecke eingeschweißt zu kaufen gibt. Dazu eine Cola, weil man die wirklich in jedem Land probiert haben muss. Diesmal aber keine offensichtlichen Unterschiede. (Übrigens ganz im Gegenteil zur Fanta, die schmeckt in England mal wieder ganz anders. Aber glaubt mir, bleibt lieber bei der Cola.)

Kensington Palace

Kensington Palace

Nächster Halt war für mich dann der Ticketschalter für die Zugfahrkarte von Stanstead nach London City, für 21 Pfund gibt’s hier ein One-Way-Ticket. Zusätzlich habe ich hier auch gleich eine Oyster-Card erworben, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. Auf diese Plastikkarte im Scheckkartenformat lädt man relativ einfach Geld auf und kann in jedem öffentlichen Verkehrsmittel durch Auflegen an einem Automaten die jeweilige Fahrt bezahlen. Das spart Zeit und gerade in der Tube bezahlt man nur das, was man auch tatsächlich gefahren ist. Man muss sich nicht wie bei uns mit den 296.754 verschiedenen Tickets rumschlagen, sondern braucht nur die (aufgeladene) Oyster-Card.

Palastwache

Palastwache

Dann saß ich auch endlich im Zug, der allerdings mitten auf der Strecke gestoppt werden muss, da es zu einem Schienenbruch kam. Gestört hat mich das ehrlich gesagt wenig, weil ich dadurch gleich das Krisenmanagement der Briten kennen lernen durfte. Offen gestanden kann der große deutsche Anbieter auch hier noch einiges von der Insel lernen, denn hier gab es eine laufende Information durch den Zugführer, selbst, als er noch nicht wusste, was Stand der Dinge war. Aber diese konstante persönliche Information ist weitaus befriedigender als die automatisierten Benachrichtigungen in unseren Zügen. Irgendwann war ich dann aber auch in der City angekommen. Mein Zielbahnhof war die Liverpool Street Station, in etwa vergleichbar mit dem Münchner Ostbahnhof. Weiter ging es dann mit der Tube und auch die ist ein echter Genuss für alle, die den deutschen bzw. Münchner U-Bahn-Verkehr gewohnt sind. Das geht bei kleinen Dingen los, wie beispielsweise dem automatisierten Öffnen und Schließen aller Türen an jeder Haltestelle. Das ist insofern gut, wenn es draußen nämlich mal sehr warm oder schwül ist, staut sich in unseren Zügen die Luft immer sehr und man würde sich wünschen, dass durch geöffnete Türen ab und an mal etwas frische Luft hereingelassen werden würde. Zudem fahren die Züge viel regelmäßiger als bei uns, was mitunter auch daran liegt, dass es weniger Linien gibt. Auf eine S-Bahn verzichtet London ganz, hier steht eher der Bus im Vordergrund. Zum Verkehr in London muss man natürlich vorwegschicken, dass es dort den Linksverkehr gibt. Selbst wenn man nicht vor hat, mit dem Auto zu fahren, sollte man sich dessen bewusst sein, da man nämlich auch beim Überqueren der Straße immer zuerst in die andere Richtung schauen sollte…

Tower Bridge

Tower Bridge

Auf Londons Straßen merkt man im Übrigen auch sehr schnell, dass man unter stetiger Beobachtung steht. Jede Straße, jede Tube und sogar die meisten Taxis sind kameraüberwacht. Das ist vermutlich auch ein dezenter Hinweis auf die prall gefüllten Schatzkammern der Royals, ob eine vergleichbare Realisierung bei uns in den großen Städten auch so ohne weiteres möglich wäre, wage ich zu bezweifeln. Schlecht kann es aber vermutlich nicht sein.

Wenn wir schon gerade beim Thema Straßen sind, möchte ich auch ein Wort zu den Menschen verlieren, die in denselbigen unterwegs sind. So viele gut gekleidete Menschen habe ich selten gesehen, gerade die Frauen – und dabei ganz egal welchen Alters – sind sehr modern und modisch gekleidet. Für mich persönlich war das mit eines der schönsten „Erlebnisse“ während meiner Zeit in London.

Westminster Abbey

Westminster Abbey

So viel zum Thema „schlechtes Wetter“ im Übrigen: am Samstag unternahm ich den ersten Sightseeing-Trip durch die Stadt und klapperte die verschiedenen Sehenswürdigkeiten ab. Ausgangspunkt war der St. James’s Park, von dem aus wir auf Westminster Abbey, den Palace of Westminster („Houses of Parliament“) und den Elizabeth Tower („Big Ben“) zugelaufen sind. Anschließend über die Themse zum London Eye und von dort aus den ganzen Weg zu Fuß zur Tower Bridge, vorbei u.a. an der London Bridge. Viele schöne Eindrücke und Fotos später nahmen wir dann die Tube vom Tower Hill zum Green Park, der den Buckingham Palace beheimatet.

Big Ben

Big Ben

Da zum Kennenlernen einer Stadt natürlich auch die Abend- und Nachtkultur Pflicht sind, tauchten wir am Samstagabend in das Nachtleben der Stadt ein. Gestartet in der Hotelbar des „W London – Leicester Square“ landeten wir schließlich später am Abend im „Movida„. Das Movida erinnerte fast etwas an die maxSuite früher in München. Gute Leute, super (gemischte) Musik, aber alles andere als Dumpingpreise für Flüssiges. Kann aber nur empfohlen werden, der Laden! Immer im Kopf behalten muss man übrigens auch, dass viele Clubs in London schon um drei Uhr schließen. Manche haben aber auch Genehmigungen für längere Öffnungszeiten, das Movida war an diesem Samstag bis ca. 4 Uhr geöffnet.

Nach dem Ausschlafen war das Wetter in London nicht besonders toll, weswegen wir uns in den Kinsington Gardens nicht lange aufgehalten haben. Für den Kensington Palace und „The Italian Gardens“ haben wir uns aber die entsprechende Zeit genommen. Weil das Wetter immer schlimmer wurde, haben wir uns dann in einen Pub zurückgezogen und ich habe mich erstmals an Fish & Chips sowie einem Cider versucht. Das Essen war gar nicht mal schlecht, wenn man mit dem vielen Fett klar kommt. Das Cider dagegen musste ich nach zwei Schluck stehen lassen…

Tower Bridge

Tower Bridge

Am nächsten Tag machte ich mich dann früh auf, um manche Sehenswürdigkeiten noch einmal in einem anderen Licht zu sehen. Zusätzlich besuchte ich noch den Trafalgar Square und auch das Einkaufshaus Harrod’s, in dem bereits seit August für Weihnachten dekoriert ist… Auch die Tower Exhibition in der Tower Bridge habe ich mitgemacht, diese ist für 8 Pfund aber vergleichsweise teuer und lohnt sich deshalb nicht wirklich. Wenn ich mit meinen 8 Pfund aber eine mögliche zukünftige Restauration der Bridge mitfinanziert habe, soll es auch gut sein. Am Abend kehrte ich nochmal zur Brücke zurück, um Nachtaufnahmen zu machen. Da es dabei nach Mitternacht wurde, hatte ich etwas Glück, gerade noch die vorletzte Tube zu erreichen, da diese nur bis kurz nach 24 Uhr verkehren.

Dann war es schon Zeit für meinen Abreisetag, den ich bei wieder tollem Wetter im Hyde Park ausklingen ließ. Für fast zwei Stunden saß ich nur auf einer Bank, beobachtete das Treiben im Park und die Eichhörnchen, die so zutraulich sind, dass sie sogar über meine Schultern gelaufen sind oder an meiner Jeans hochgeklettert sind.

Das ganze London-Album gibt es hier bei flickr.